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Marathon Weltmeisterschaften mit Berliner Beteiligung

14 Sep, 2017 / 0

Kanu Marathon-WM in Südafrika

Am 12. September kehrte unser kleines Berliner Kanu-Marathon-Team aus Südafrika zurück.
Vorangegangen war eine zum Teil erfolgreiche, aber auch enttäuschende, auf jeden Fall aber eine sehr interessante Woche an der Südspitze von Afrika.

Aufgrund der fehlenden Mittel des Verbandes standen Sportler und Betreuer vor einer schweren finanziellen Aufgabe. Durch eine Spende der Berliner Wasserbetriebe konnten dann jedoch alle qualifizierten Sportler Berlins Teil nehmen. Die Freude bei den Sportlern war riesig, als die frohe Botschaft übermittelt werden konnte. Der Dank aller Sportler, Trainer und Funktionäre gilt ganz klar den Unterstützern der Wasserbetriebe.

Die Erlebnisse der Reise schildert ein Bericht der Sportler.

Marie, Claas, Mauritz und Trainer Phillip Krack waren am Montagabend nach den für Berlin so erfolgreichen Deutschen Kanurennsport-Meisterschaften mit Direktflug München-Johannesburg nach Südafrika gestartet. Von Johannesburg ging es am Dienstagmorgen weiter in die Hafenstadt Durban am Indischen Ozean. Nach einer einstündigen Autofahrt trafen sie schließlich am Nachmittag auf dem umzäunten Areal des Mannschaftshotels in Pietermaritzburg ein. Da war unseren Sportlern bereits klar, dass in Südafrika vieles ganz anders ist, als in Deutschland und Europa: Das Hotel ist auf keinen Fall allein zu verlassen, so die strikte Weisung der Mannschaftsleitung. Mauritz meldete die glückliche Ankunft nach Hause mit der Feststellung, dass er jetzt verstehe, warum so viele aus Afrika zu uns nach Deutschland wollen.
Am nächsten Tag begann das Training in Camps Drift, auf einem gestauten Abschnitt des Msunduzi River (Englisch: Dusi) in Pietermaritzburg. Dort, am Clubhaus des Natal Canoe Club beginnt auch alljährlich im Januar der Dusi-Marathon, ein landesweit im Fernsehen übertragenes 4-tägiges Großereignis mit fast 2000 Teilnehmern über eine Strecke von 120 km.

Am Donnerstag um 9 Uhr startete dann das erste Rennen.
Mit dabei: Marie Mix im K1 Junior Women über “nur” 19 km.
Nach einem etwas ungünstigen Start lag Marie nach der ersten Wende an 12. Stelle. Sie konnte sich jedoch auf den 8. Platz vorarbeiten. Diesen musste sie nach der 3. Portage an ihre Mannschaftskameradin Jule Hake abgeben. Schließlich kam sie hinter Jule als neunte in Ziel.
Das Rennen wurde mit fast 2 Minuten Vorsprung vor einer südafrikanischen Sportlerin von den taktisch überlegenen Ungarinnen gewonnen. Marie kam mit Jule mit etwa 5 Minuten Rückstand auf die Siegerinnen ins Ziel, dies ist mit Blick auf ihre Gesamtzeit von rd. 1:40 und die tropischen Bedingungen eine hervorragende Leistung.

Am Freitagmittag traten dann Mauritz und Claas zu ihrem Rennen über die Distanz von 22,6 km an. Claas hatte sich bereits morgens nicht gut gefühlt, wollte aber unbedingt starten.
So kam es dann, dass die beiden nach einem “huge start”, wie die Kommentatoren bemerkten, das Rennen noch vor der ersten Portage aufgeben mussten. “We have an man down!” war der Kommentar nachdem die beiden angelegt hatten und Claas deutlich angeschlagen ausgestiegen war. Das Rennen gewannen die favorisierten Ungarn vor den Südafrikanern.

Die Enttäuschung unserer Sportler war groß, hatte doch Mauritz bewusst auf einen Start im K1 am Vortag verzichtet, um im K2 eine bessere Platzierung zu erreichen. Als Ziel war ein Platz unter den ersten fünf anvisiert, nach Platz 8 bei den Europameisterschaften in Portugal, der eher unter ungünstigen Bedingungen erzielt worden war, eine realistische Vorgabe.

Als Gründe für Claas Probleme wurden zunächst ein ungünstiges Frühstück und eine unangenehme Busfahrt vermutet. Nachdem sich Claas aber nur langsam erholte, kommt wohl auch die Wasserqualität des Dusi-River als Ursache in Betracht: Das braune Wasser ist bei Pietermaritzburg mit bis zu 50.000 Einheiten Kolibakterien pro 100ml belastet. Der Grenzwert in Berlin, bei dem zum Beispiel eine Badestelle an der Spree gesperrt wird, liegt vergleichsweise bei 1.800 Einheiten.
Claas hat wohl auch als Hintermann mehr von der Brühe abbekommen als Mauritz als Schlagmann. Die Ursache für die bedenkliche Wasserqualität wurde den Sportlern dann auch am Ende der Veranstaltung deutlich: Der Inhalt der reichlich für die Zuschauer vorhandenen Dixi-Toiletten wurde nicht etwa wie in Europa üblich abgefahren, sondern einfach in den Dusi gekippt. Die daraus folgenden Gesundheitsbeschwerden sind vor Ort bekannt, werden laut Wikipedia als “Dusi guts” bezeichnet und treffen einer Umfrage zufolge 64 % der Wassersportler.

Philipp und Mauritz erkundeten in den noch verbliebenen zwei Tagen das Surferparadies Durban am indischen Ozean, während Claas sich auch dank Maries Betreuung beständig erholte und mit den drei zusammen noch einige touristische Ziele besuchen konnte.
Alle vier sind von den Eindrücken in Afrika überwältigt und ziehen insgesamt ein positives Fazit:
“Wir sind sehr froh, und bedanken uns bei unseren Unterstützen, dass wir diese Reise unternehmen konnten!”
Zum Saisonabschluss haben Mauritz und Claas noch etwas besonderes vor: Am 7. Oktober starten die beiden Sportler beim K4-Marathon de Rijp bei Amsterdam, zusammen mit der vormaligen K2-Renngemeinschaft des LKV Nordrhein-Westfalen. Ein Bericht folgt.