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Berliner Kanute fordert den Besten der Welt

18 Dez, 2017 / 0

Der C4 Weltmeister Conrad-Robin Scheibner hat für die kommenden Jahre große Ziele. Wir hoffen, wir können ihm auf seinem Weg weiterhin unterstützen.

 

Gelesen in der Berliner Morgenpost vom 17.12.2017

 

Berlin.  Der kleine Conrad kniet in seinem Canadier und kämpft. Nur von dem einen Bootssteg beim SC Berlin-Grünau zum nächsten, ohne umzukippen. So lautet die Aufgabe. Seit Wochen versucht er es, immer wieder landet er im kalten Spreewasser. Doch aufgeben gibt’s nicht. Dann endlich schafft er es, das ist ein gutes Gefühl. Aber da ist noch ein anderes: Was kommt als nächstes?

Im Vierer gemeinsam mit Brendel Weltmeister

13 Jahre ist das her. Erst wenige Monate liegt ein anderes Ereignis zurück, die Weltmeisterschaften der Kanuten in Racice. „Es war so eine besondere Stimmung, als ich da auf dem Steg stand“, schwärmt Conrad Robin Scheibner, inzwischen 21 Jahre alt. „Ich hab die Augen zugemacht und gedacht: Ist das cool, hier jetzt mitfahren zu können!“ Noch viel cooler war es, als er im Canadier-Vierer in Tschechien Weltmeister wurde, gemeinsam mit Sebastian Brendel, Stefan Kiraj und Jan Vandrey. Der erste WM-Titel, ein wahr gewordener Traum. „Das bedeutet mir sehr viel.“ Und doch wieder: „Es ist ein Zwischenschritt.“

Scheibners Ziel ist ein größeres. „Ich will zu den Olympischen Spielen in Tokio und dort eine Medaille holen.“ Bloß wie? Im Canadier gibt es ja nur zwei Disziplinen, den Einer und den Zweier. Der Vierer ist nicht olympisch. Der aktuelle Olympiasieger in beiden Bootsklassen heißt Sebastian Brendel, der 29-jährige Potsdamer ist der Über-Athlet der Szene. Im Zweier wäre ein Plätzchen neben ihm frei, allerdings für einen Rechtsstecher. Scheibner taucht wie Brendel von kleinauf das Paddel links ein, was bedeutet: Zu zweit in einem Boot drehen sie sich im Kreis. Funktioniert nicht. Und jetzt?

Lange Zeit den Größeren hinterhergepaddelt

„Man muss an Sebastian vorbeikommen“, sagt der Berliner. Was weltweit niemandem gelingt, will er schaffen. „Es ist meine große Motivation, dem Dominator der letzten Jahre Paroli bieten zu können. Und eventuell über die Jahre hinweg an ihm vorbeizufahren. Das treibt mich an.“ Eine Herkulesaufgabe. Doch kämpfen kann Scheibner. „Mein ganzes Leben“, sagt er, „habe ich dem Kanusport gewidmet.“

Das klingt pathetisch. Aber der junge Mann investiert wirklich viel, obwohl er lange Zeit nur hinterhergepaddelt und spät durchgestartet ist. Jetzt ist er mit den anderen bei 1,82 Meter Körpergröße auf Augenhöhe. Als Jugendlicher war er viel kleiner als seine Konkurrenten. „Das hat mir in der Motivation sehr geholfen“, sagt er. Um dranzubleiben. Bei seinen ersten internationalen Regatten im Nachwuchsbereich wurde er oft Vierter. Fast am Ziel, jetzt nicht nachlassen, schwor er sich. „Ich bin ein Trainingsmensch, eher der Übererfüller-Typ.“ Kaum zu glauben bei vier Einheiten à 60 bis 90 Minuten am Tag. Um sechs Uhr morgens steht er auf, um sein Pensum zu schaffen.

Das Abitur hat er mit 1,0 bestanden

Denn er studiert ja auch noch Medizin an der Charité. Sein Abitur hat er mit 1,0 bestanden. Kombiniert mit dem Kanusport wird Scheibner rund zwölf Jahre brauchen, hat er sich ausgerechnet. Die vielen Trainingslager machen es nötig. Zum Teil muss er diese Übungswochen selbst bezahlen, so ist das in seiner Sportart. Wie jetzt gerade die drei Wochen in Florida.

Aber diese Zeit ist unbezahlbar, denn dort trainiert Scheibner auch mit dem Mann, den er irgendwann ablösen will, mit Sebastian Brendel. „Wir verstehen uns ganz gut“, sagt der Herausforderer, „ich kann viel von ihm lernen und habe natürlich sehr großen Respekt vor seinen Erfolgen. Aber ich habe das Gefühl, Sebastian respektiert mich auch, weil er spürt, dass ich immer ein Stückchen näher komme.“ Der Kampf hat gerade erst begonnen.