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Eine Weltmeisterschaft als „Vorspiel“ für die Olympischen Spiele und dann in einem „Kanu-Land“ wie Ungarn

5 Sep, 2019 / 0

Hast Du schon mal eine WM in Ungarn erlebt ?  Diese Frage stellte mir eine der erfolgreichsten Kanutinnen des Deutschen Kanuverbandes und fügte dann hinzu: „ Es ist unvorstellbar und das kann man nicht mit Worten wiedergeben, solche Begeisterung und solche Emotionen“.

Mit diesen Worten im Ohr und dieser Ankündigung fuhr ich nach Szeged, ganz im Süden Ungarns, der Kanu-Hochburg Nummer eins.

Die diesjährige Weltmeisterschaft hatte für alle Athleten eine besondere Bedeutung, nicht nur weil es eine WM war, sondern auch weil es bei dieser WM, im Vorjahr vor Olympia in Tokyo 2020, um die so begehrten Quotenplätze für die Landesverbände ging. Diese Plätze sichern den Ländern Startplätze in den entsprechenden Bootsklassen bei den Olympischen Spielen in Japan zu. Die sind bei den Spielen sehr begrenzt, da sonst eine Veranstaltung in diesem Ausmaß nicht zu organisieren wäre. 

Aber auch zu den nicht olympischen Disziplinen treffen sich die Besten der Welt, um sich miteinander zu messen.

Die Berliner Fahne hielten 7 Sportler hoch und sie haben sich richtig stark präsentiert. Alle Berliner Kanuten waren in den eingesetzten Disziplinen in den A-Finals vertreten und keiner hatte sich schlechter als Rang vier platzieren können. Wir sprechen noch immer von einer Weltmeisterschaft und diese Ergebnisse repräsentieren deutlich, wie gut unser Sportler sind und welche gute Arbeit geleistet wird.

Das beste Ergebnis konnte wieder mal Jacob Schopf vom KKC Berlin erreichen. In einem vom Start bis ins Ziel souveränem Rennen, mit seinem Zweier Partner Max Hoff von der KG Essen, ließen sie keine Zweifel offen wer  auf dieser olympischen 1000 m Strecke die Goldmedaille gewinnen wollte. Gold und auf Anhieb Weltmeister in dem neu formierten Boot. Gleichzeitig waren das zwei der ersehnten Quotenplätze für den DKV im nächsten Jahr.  

In dem neu zusammengesetzten C4 der Herren über 1000 m waren gleich drei der vier Kanuten aus Berlin. Tim Hecker, Moritz Adam und Conrad Robin Scheibner, alle samt vom SCBG legten sich mächtig ins Zeug und haben einen super Wettkampf abgeliefert. Sie konnten sich selbst belohnen und wurden zusammen Vize-Weltmeister nach den starken russischen Canadier-Fahrern. Bedenkt man, das sie alle Drei noch in der U23-Mannschaft starten durften und auch sind, muss uns und ihnen für die Zukunft nicht bange sein.    

Marcus Groß von GK 90 Berlin hatte eine Saison die für ihn, bis zum August, nicht zufriedenstellend verlaufen ist. Verletzungsbedingt konnte er seine Leistungen nicht abrufen bzw. konnte die so wichtigen Sichtungen im Frühjahr nicht bestreiten. Nachdem er seine Rückenprobleme in den Griff bekommen hatte, erarbeitete er sich mühselig die Chance die nichtolympische Disziplin mit den Youngstar Martin Hiller vom KC Potsdam des K2 über die 500 m Distanz fahren zu können. Hier setzten beide, die so auch noch nie zusammen gefahren waren, mehr als ein Achtungszeichen und „ergatterten“ gegen die starke Konkurrenz einen ebenso starken dritten Platz und somit die Bronzemedaille.

Lisa Jahn vom KSC Berlin wechselte 2016 vom Kajak zum Canadier der Damen, da sie für sich die größeren Chancen sah dort bei Olympia starten zu können. Sie war nicht ganz ohne Erfolge im Kajak- Bereich, weshalb die Entscheidung die sie zusammen mit ihrem Trainer Lars Kober getroffen hatte, nicht ohne Risiko war. Es zählte also bei der diesjährigen WM mindestens ins A-Finale zu kommen und dort eine Platzierung unter den ersten Acht zu erreichen. Das große Ziel, einen Start bei den Olympischen Spielen zu schaffen, ist sie nun ein großes Stück näher gekommen. Die Grundvoraussetzung, dem Kanuverband die so begehrten Quotenplätze im C2 zu sichern, konnte Lisa mit ihrer Partnerin Ophelia Preller vom KC Potsdam erreichen. Sie haben mit einem sehr , sehr guten vierten Platz bei der WM ihre eigenen Erwartungen und auch die der Bundestrainer übertroffen und können sehr stolz sein, dass bei der für Frauen erstmals statt findenden olympischen Disziplin , Deutschland vertreten sein wird.

Kostja Stroinski durfte , nachdem er sich auf die Sprintstrecken konzentriert hatte, mit seinem Partner Timo Haseleu vom KC Potsdam, auf der 200 m Strecke im K2 ran und die Beiden haben sich richtig teuer verkauft. Im A-Finale der schnellen Jungs standen sie im Startschuh als es plötzlich so still wurde, so das man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Wer die Kulisse vorher erlebt hat, hätte sich das nicht vorstellen können. Dann erklingt das Starsignal und plötzlich glaubt man in einem Fußballstadion mit mindestens hunderttausend Zuschauern zu sein. Kostja und sein Partner haben dieser Kulisse Stand gehalten und sind Vierte der Weltmeisterschaften geworden, gerade mal mit 2-hundertstel Sekunden an einer Medaille vorbei .

Wir freuen uns das die Berliner Vertreter des Kanurennsports durchgängig so erfolgreich bei den Weltmeisterschaften aufgetreten sind und gratulieren den Athleten und Trainern zu diesen Ergebnissen.